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Vorgeschichte des Sturms auf die Bastille und der Französischen Revolution

Die Französische Revolution, deren Motto Freiheit (Liberté), Gleichheit (Égalité) und Brüderlichkeit (Fraternité) lautete, zählt zu den wichtigsten Ereignissen der europäischen Geschichte. Ihr Entstehen ist mit einer Vielzahl von Ursachen verbunden.

Als ein Hauptmotiv gelten sozioökonomische strukturelle Veränderungen wie der allmählich einsetzende Kapitalismus. Dieser wurde jedoch durch die feudalistische Oberschicht eingeengt.

Ein weiteres Problem stellte die chronische Finanznot des Königs und des Adels dar. So verschlangen u. a. Zinsen für die Staatsschulden, das Militär, die Zivilverwaltung sowie die luxuriöse Hofhaltung des Königshauses immense Summen. Dabei hielt der Königshof rauschende Feste ab und leistete sich Pensionszahlungen in Millionenhöhe an ergebene Höflinge. Ebenso hatte die Teilnahme Frankreichs am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775-1783) trotz des politischen Erfolges die Staatsfinanzen stark belastet.

Reformblockade

Ab 1781 unternahm der neue Generalkontrolleur der Finanzen, Jacques Necker (1732-1804), ein Schweizer Bankier, den Versuch, die Staatseinnahmen zu verbessern, stieß dabei jedoch auf massiven Widerstand des Amtsadels.

Darüber hinaus brauchten der wohlhabende Adel und die Kirche keine direkten Steuern zu zahlen. Daher mussten die Bauern die Hauptsteuerlast tragen und gleichzeitig Kirchensteuern sowie Abgaben an ihren Grundherren leisten, was beim Volk immer mehr Erbitterung auslöste.

Aufklärung und Brotpreise

Ein weiterer Faktor, der der französischen Revolution vorausging, war das Denken der Aufklärung, das dem französischen Absolutismus in zunehmendem Maße entgegenstand. So wurde die Legitimität des Absolutismus durch das aufklärerische politische Denken infrage gestellt.

Zu den wichtigsten Denkern der französischen Aufklärung zählten Charles-Louis de Montesquieu (1689-1755) sowie Jean-Jacques Rousseau (1712-1778). Während Montesquieu für eine Teilung der Gewalten zwischen gesetzgebender, richterlicher und ausführender Gewalt plädierte, trat Rousseau u. a. gegen ungerechte Besitzverhältnisse ein.

In den Debattierclubs, Salons und Cafés verbreitete sich das aufklärerische Denken in der französischen Gesellschaft zunehmend. Allerdings stieß die neue Denkweise bei der Masse des französischen Volkes nur auf wenig Interesse. Stattdessen hatte der Brotpreis für die einfachen Bürger Vorrang.

Die Bauern umfassten vier Fünftel der Bevölkerung. Aufgrund einer Missernte im Jahr 1788 litten sie jedoch große Not, während die Kornspeicher ihrer Grundherren nach wie vor üppig gefüllt waren. Dies führte zu Protesten sowie Forderungen nach gerechten Getreidepreisen, deren Höhe wegen der Knappheit stark anstieg.

1789 war das Brot schließlich so teuer wie noch nie im 18. Jahrhundert. Besonders hart traf dies die kleinen Leute, die in den Städten lebten und für die Brot ein Grundnahrungsmittel bedeutete. So sorgte die wirtschaftliche Not dafür, dass sich die Massen für die Politik zu interessieren begannen.

1789

Im Jahr 1789 regierte König Ludwig XVI. noch immer mit absoluter Macht. Lediglich die Ständeversammlung hatte das Recht an politischer Teilhabe. Zusammengesetzt wurde die Ständeversammlung zu je einem Drittel aus Adel, Bürgern und Klerus. Die wirkliche Zusammensetzung des Volkes wurde dabei jedoch nicht vertreten.

Obwohl mittlerweile der Staatsbankrott drohte, lebten König und Adlige nach wie vor im Überfluss, während in den Städten ganze Bevölkerungsschichten dem Elend verfielen.

Da der Druck aus der Bevölkerung zunahm, sah sich der König gezwungen, im Mai 1789 die Ständeversammlung einzuberufen und die Anteile der drei Stände zu verändern. So erhielten Adel und Klerus nun ein Viertel und Bauern, Bürger und Handwerke die Hälfte der Anteile. Letztere waren damit jedoch nicht zufrieden und riefen sich am 17. Juni zur Nationalversammlung aus, mit dem Ziel einer neuen Verfassung, die die Macht von Adel und Klerus einschränkte und dem Volk mehr Mitbestimmung gewährte.

Als im Juli 1789 die Brotpreise jedoch erneut anstiegen, führte dies zu heftigen Unruhen, die im Sturm auf die Bastille gipfelten und die erste Phase der französischen Revolution einleiteten.