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Die Bastille – das Gebäude und seine Geschichte

Die Bastille (kleine Festung) konnte bereits vor dem 14. Juli 1789 auf eine lange Geschichte zurückblicken. Die gut befestigte Stadttorburg wurde im 14. Jahrhundert unter Karl V. (1338-1380) errichtet.

Als Erbauer fungierte der Vogt Hughes Aubriot (1315-1388). Die Grundsteinlegung der kleinen Festung fand im Jahr 1370 statt.

Nach der Beendigung der Bauarbeiten im März 1383 erhielt die Bastille zunächst die Bezeichnung Bastion de Saint-Antoine.

Die Burg bildete einen wichtigen Bestandteil der Pariser Befestigungsanlagen, als englische Truppen während des Hundertjährigen Krieges durch Frankreich zogen.

Die Bastille als Ort für politische Gefangene

Ab der Regentschaft von König Ludwig XIII. (1601-1643) wurde die Bastille dazu verwendet, politische Gefangene unterzubringen. So verfügte die alte Festung über 80 Kerker, die zum Teil unterirdisch angelegt waren.

Zu den prominentesten Häftlingen der Bastille zählten der berühmte Schriftsteller und Philosoph Voltaire (1694-1778) sowie der Marquis de Sade (1740-1814).

Das Gebäude

Ausgestattet war die Bastille mit acht Zinnentürmen. Jeder einzelne erhielt einen eigenen Namen. So gab es den Eckturm, den Kapellenturm, den Schatzturm, den Grafschaftsturm, den Brunnenturm, den Freiheitsturm, den Bertaudiereturm sowie den Basiniereturm.

Auf der Südseite der Festung befand sich der Eingang, der über eine Zugbrücke zu erreichen war. Rund um die Bastille lag außerdem der mit Wasser versehene Graben der Festung.

Unterbringung der Gefangenen

In welchen Zellen die Gefangenen untergebracht wurden, richtete sich nach deren finanziellen Möglichkeiten und Status.

Der König gewährte den Häftlingen eine Pension, von der die Wächter Besorgungen vornehmen konnten. Dabei herrschte in der Bastille ein Ablauf wie in einem kommerziellen Unternehmen. Besaßen die Gefangenen nicht mehr genügend finanzielle Mittel, brachte man sie in den tieferen Zellen unter.

Besonders in den Kellern herrschten unmenschliche Verhältnisse. So galten Haftstrafen in der Bastille als gefürchtet, zumal die Häftlinge dort keine Möglichkeit mehr besaßen, sich an die Öffentlichkeit zu wenden.

Das Ende der Bastille

Schon zwei Tagen nach dem Sturm auf die Bastille begann das Ende des berüchtigten Gebäudes. So wurde am 16. Juli 1789 der Abriss der kleinen Festung angeordnet, da sie als Symbol des alten Regimes galt. Mit den Abrissarbeiten wurde der Bauunternehmer Pierre-François Palloy (1755-1835) beauftragt.

Im Oktober 1790 war der Abriss der Bastille schließlich beendet. Lediglich ein Mauerrest von etwa 50 Zentimetern Höhe blieb zurück, wurde jedoch später ebenfalls restlos beseitigt.

Palloy ließ aus den Bastillesteinen detaillierte Modelle der Festung anfertigen. In den 83 neuen Departement-Hauptstädten dienten diese Modelle als Trophäen.

Außerdem wurden aus den Eisenschlössern und Ketten etwa 60.000 Medaillen hergestellt, die Freiheitsmotive trugen.

Nach der Hinrichtung von König Ludwig XVI. im Jahr 1793 veranstaltete Palloy zum Gedenken an dieses schaurige Ereignis jedes Jahr ein üppiges Schweinskopfessen.